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Theatervorschau

Veröffentlicht 14. September 2026 Oya Canli New Wimbledon Theatre, London Premiere 5. Februar 2027

Chicago: Das Musical

Oya Canli über Chicagos Geschichte von Verbrechen und Ruhm: vom Film aus dem Jahr 2002 zum Bühnenmusical und seiner UK-Tournee 2027.

Das Chicago-Ensemble in schwarzen Kostümen mit erhobenen Armen; im Hintergrund spielt das Orchester.
Foto: Paul Coltas

Wie viele andere Menschen habe ich Chicago durch den Film von 2002 entdeckt.

Unter der Regie von Rob Marshall kam die Welt von Chicago auf die große Leinwand. Renée Zellweger spielte Roxie Hart, Catherine Zeta-Jones war als Velma Kelly zu sehen. Richard Gere übernahm die Rolle des Billy Flynn und John C. Reilly die des Amos Hart.

Der Film war glamourös, düster, witzig und durch und durch Theater – mit großartiger Musik und beeindruckenden schauspielerischen Leistungen.

Und er war nicht nur beim Publikum erfolgreich. Bei der Oscarverleihung 2003 gewann Chicago den Preis für den besten Film und fünf weitere Oscars, darunter den für die beste Nebendarstellerin für Catherine Zeta-Jones.

Was mir vom Film besonders im Gedächtnis blieb, war jedoch der Gedanke, dass Ruhm verändern kann, wie Menschen die Wahrheit wahrnehmen. Und dass ein Mord zur Schlagzeile werden kann.

Die Geschichte führt uns ins Chicago der 1920er-Jahre. Roxie Hart landet im Gefängnis, nachdem sie den Mann ermordet hat, mit dem sie eine Affäre hatte. Dort begegnet sie der Bühnenkünstlerin Velma Kelly, die ebenfalls wegen Mordes angeklagt ist.

Anstatt nur ihre Unschuld beweisen zu wollen, entdecken die beiden Frauen etwas viel Mächtigeres: Aufmerksamkeit.

Mit Hilfe des Anwalts Billy Flynn lernt Roxie, dass eine gute Geschichte mehr wert sein kann als die Wahrheit.

Ein Mord wird zur Zeitungsgeschichte.
Eine Verbrecherin wird zum Star.
Und plötzlich will jeder ihren Namen kennen.

Wenn ich heute über Chicago nachdenke, fällt mir immer wieder auf, wie unglaublich aktuell dieser Gedanke wirkt. Er hält uns und unseren Schwächen einen Spiegel vor.

Chicago wurde nicht in Hollywood geboren.

Das Musical stammt von John Kander, Fred Ebb und dem legendären Choreografen Bob Fosse. Seine Verbindung von Musik, Choreografie, Sexualität und Satire hat den Stil des amerikanischen Musicaltheaters entscheidend geprägt.

Besonders faszinierend finde ich an Chicago, wie bewusst reduziert die Broadway-Neuinszenierung von 1996 gestaltet ist. Es gibt nichts, hinter dem man sich verstecken könnte. Im Mittelpunkt stehen die Darstellerinnen und Darsteller, die Musik, die Bewegung, die Haltung und natürlich die unverwechselbare, von Fosse inspirierte Choreografie. Statt auf aufwendige Kulissen oder große Effekte zu setzen, stellt diese Inszenierung die Mitwirkenden selbst ins Zentrum des Erlebnisses.

Auch wenn Sie das Musical noch nie auf der Bühne gesehen haben, kennen Sie vermutlich einige seiner Songs: „All That Jazz“, „Cell Block Tango“ oder „Razzle Dazzle“.

Chicago wirkt beinahe wie eine Show in der Show. Alle spielen eine Rolle. Roxie für die Zeitungen, Billy Flynn für seine Mandanten, die Medien für die Öffentlichkeit. Und die Öffentlichkeit schaut nur zu gern zu. Ruhm, Verbrechen, Gerechtigkeit und Starkult werden zu Teilen einer großen Vorstellung, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Unterhaltung immer mehr verschwimmt.

Wo können wir Chicago im Februar 2027 sehen?

Falls Sie im Februar 2027 in London sind, bietet sich eine besonders interessante Gelegenheit.

Die neue UK-Tournee von Chicago beginnt im New Wimbledon Theatre im Südwesten Londons, wo das Musical vom 5. bis 13. Februar 2027 zu sehen ist. Anschließend geht es vom 16. bis 20. Februar ins Theatre Royal Plymouth und vom 22. bis 27. Februar ins Wales Millennium Centre in Cardiff.

Ich möchte 2027 unbedingt erleben, wie Mord, Musik und all dieser Jazz auf der Bühne lebendig werden!

Wissenswertes über Chicago

1. Bevor Chicago ein Musical wurde, war es ein Theaterstück aus dem Jahr 1926. Geschrieben wurde es von der Journalistin Maurine Dallas Watkins, die sich von echten Mordfällen inspirieren ließ, über die sie an den Gerichten Chicagos berichtet hatte.

2. Das Stück beruhte auf den Geschichten zweier realer Frauen, Beulah Annan und Belva Gaertner. Ihre aufsehenerregenden Mordprozesse lieferten die Inspiration für die Figuren Roxie Hart und Velma Kelly.

3. Die Geschichte wurde erstmals 1927 als Stummfilm adaptiert, lange bevor das berühmte Broadway-Musical entstand.

4. In einer zweiten Verfilmung, Roxie Hart von 1942, spielte Ginger Rogers die Hauptrolle. Die düsteren Elemente der ursprünglichen Geschichte wurden darin allerdings abgeschwächt.

5. Als Musical kam Chicago schließlich 1975 an den Broadway. Die Musik schrieb John Kander, die Liedtexte Fred Ebb und das Buch Fred Ebb gemeinsam mit Bob Fosse. Fosse übernahm auch Regie und Choreografie.

6. In der Originalinszenierung spielten die Broadway-Legenden Gwen Verdon als Roxie und Chita Rivera als Velma die Hauptrollen.

7. Die ursprüngliche Broadway-Inszenierung erhielt 1976 elf Tony-Nominierungen, gewann aber keinen Preis. Erst die Broadway-Neuinszenierung von 1996 machte Chicago zu einem weltweiten Phänomen.

8. Die Verfilmung von 2002 mit Renée Zellweger, Catherine Zeta-Jones und Richard Gere gewann sechs Oscars, darunter den für den besten Film.

9. Heute hält die Neuinszenierung von 1996 den Rekord als am längsten laufende Produktion eines amerikanischen Musicals in der Geschichte des Broadways. Das zeigt, dass Chicagos scharfe Satire auf Ruhm, Medien und Starkult heute genauso aktuell ist wie vor hundert Jahren.

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